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Eintrag 12: Gruppendynamik


Die Zeit im Van ist nun erstmal vorbei. Nach dem Start von Tobi und mir mit verschiedenen Gästen wie Daniel, Olga oder Martin haben wir mit Jenni innerhalb von drei Wochen entspannt die Ostküste von Townsville nach Sydney bereist. Mit Loo, dem Van - unserem Wohnhaus, Packesel, Fahrtgefährt - als treuer Begleiter, haben wir drei bis Weihnachten das Ziel, an dem wenige Tage später unsere Freunde zu uns finden sollten, erreicht.

Weihnachten mit netten Freunden aus der Schweiz, gutem Essen und viel Spaß hatten wir drei also hinter uns gebracht und nach und nach kamen unsere Freunde an. Erst Torsten, gefolgt von Johannes bis zu Daniel. Maurice als blinder Passagier war dann der letzte, der zu unser Gruppe dazu kam. Sieben an der Zahl in einem bereits im April gebuchten 6er-mix-dorm. Mitten in Sydney, bereit als Gruppe das Jahr 2013 begrüßen zu wollen.

Sieben Köpfe. Jeder dieser Köpfe sein eigener. Da muss überlegt werden, was und wo gegessen werden soll. Was besichtigt, was geskippt und was vielleicht erledigt werden muss. "Wann" ist genau so eine Frage wie das "wie dahin kommen". Da wird diskutiert, die Pro und Contras abgewägt, noch mal überlegt, etwas ausgemacht, losgegangen, wieder verworfen, umgeplant, besseres gefunden und erneut gestartet. Während dieser Gespräche versuche ich mich so gut wie möglich raus zu halten. Gebe noch einmal den Vorschlag, dass man sich ja auch trennen könnte und verstumme schnell wieder. Während der ganzen Unterhaltungen kommt schnell die Frage in mir hoch: Sind sieben nicht manchmal fünf bis sechs zu viel?

Kompromisse werden in jeden Lebenslagen geschlossen und auch von einem selbst abverlangt. In der Familie mit Geschwistern und Eltern: Wo wird Weihnachten gefeiert und wer kocht? im Job mit Kollegen und Vorgesetzten: Wann ist die beste Schicht und welcher Urlaub wird gestattet und welcher gestrichen? In Beziehungen, ob mit festen Partnern oder Freundschaft Plus: Wer erledigt was im Haushalt und selbst im Bett beim Sex muss auf Dinge verzichtet und andere dafür vielleicht gemacht werden.
Warum also denken, dass es in einem Urlaub in einer Großstadt am anderen Ende der Welt zum Jahreswechsel mit sieben Leuten einfacher laufen sollte als daheim, im Job oder einer Beziehung?

Also heißt es: Faust in die Tasche, tief durchatmen und abwarten, für was sich die Gruppe sich entscheidet. 
Da vergehen manchmal einige Minuten, in denen man schon längst hätte auf dem Weg sein können oder sich schon die ein oder andere Sache hätte anschauen können. Wenn dann der Weg einmal geschafft, das Restaurant gefunden, der Beach besucht und die Parks abgelaufen sind, ist die Stimmung humorvoll, lustig und sehr ausgelassen sowieso. Da quatscht Daniel mit Torsten über das Risiko in Canberra Bushwalks zu begehen, Tobi und Maurice führen Gespräche über Religion und deren Sinn und Jenni und Johannes plaudern über BirnenPopos im Luftverkehr. 

Bis zur nächsten Gruppenentscheidung, die ansteht und die Diskussionen wieder von vorne starten.
Der Höhepunkt ist das wohl die Entscheidung, von wo aus man sich das legendäre Feuerwerk über Sydney zum Start ins neue Jahr anschauen soll. Auch da gehen die Meinungen auseinander. Ein guter Park und die richtige Uhrzeit sind die Stützpfeiler einer guten Silvesternacht in Sydney. Also wird überlegt. Daniel und ich auf Parkexkursion losgeschickt. Die anderen kümmern sich derweilen um die Verpflegung. Ein anstrengender Tag für mich und Daniel, wenn man bedenkt, dass alle in Sydney vorhandenen Touristen Fähre fahren wollen und wir stundenlang - für den sonst wenige Minuten benötigeten Weg - benötigen.
Meine Laune fällts ins Bodenlose und von Tobi hole ich mir per Telefonat die Absolution ein, die Mission verfrüht abzubrechen.
Im Hostel ziehen sich dann bis Abends gemeinsam am Tisch die Gespräche hin, wann wir nun aufbrechen wollen und wo wir überhaupt hingehen. Niemand weiß die beste Lösung, niemand will entscheiden und niemand sich festlegen. Alles zum Wohl der Gruppe natürlich. 
Nicht zum ersten Mal kommt der Gedanke in mir auf: Scheiß auf Gruppe! Zwei sollen sich um alles kümmern und gut ist. 
Einen Atemzug später fallen wir dann - nun doch alle wieder gemeinsam - die Entscheidung.

Am Silvestermorgen machen wir uns knapp nach Sonnenaufgang in den frühen Morgenstunden voll bepackt auf den Weg gen Norden. Sieben Leute, die mit Decken, Bettlaken und Handtüchern ganze Liegewiesen, einen Tisch und einen Stehplatz reservieren. 15 Stunden ausharren auf das große Finale. in der Gruppe wird dann gegessen, Uno gespielt, geschlafen, Reportagen und Interviews gedreht und intime und weniger intime Fragen durchgesprochen. 

Und am Ende ist es doch so: Wenn um 23:59 Uhr und 50 Sekunden runter gezählt wird, man um sich schaut und sechs tolle Freunde erblicken kann, die lauthals 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4 schreien atmet man noch einmal tief durch, schreit 3, 2, 1 und weiß, dass man sieben auch mal grade sein lassen muss.

Kommentare

  1. endlich mal ein happy end in deinem blog! das nenn ich mal gelungen :)
    grüßle aus der südsee und frohes weiterreisen! Tanja

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