... auch bis ans Ende dieser Welt.
Da war ich dann auch angekommen. Sydney. Australien. Am anderen Ende der Welt.
Nach 6 Wochen Amerika. Gerade an die Tischmanieren der Einheimischen, an die Preise und die Währung, den Verkehr, die Musik, die Mentalität und das Land gewöhnt, ab in die First Class der United Airlines.
Wer denkt, das 14:27 Stunden in der First Class zu reisen und dabei über den Ozean zu fliegen wie im Film sei, der täuscht.
Es ist besser. Das Unterhaltungsprogramm ein Heimkino. Toppt aber nicht das Bett, in dem man schlafen kann. Und alles zusammen kommt nicht an das Essen ran, das einem aufgetischt wird.
Sicherlich lässt sich darüber streiten, in wie weit sich rund 10000$ lohnen um diese Reise FirstClass zu bestreiten, dennoch war es ein Erlebnis, dass sich gelohnt hat und für das ich nicht in diesem Maße zahlen musste.
6:25 am. Die Welt dreht sich. Der Körper hat Schwierigkeiten die richtige Zeitzone zu finden. Zu oft die letzten Tage verschiede erlebt. Durch den Flug von SFO nach SYD existierte sogar ein kompletter Tag nicht. Der Montag viel dem Reisen zum Opfer.
Die Distanz zu Tobi war schlagartig auf gut 1600 km geschrumpft. Ein wohliges Gefühl im Bauch. Doch zuerst musste ein Schlafplatz gefunden werden. Zur Sicherheit wurde einen Tag Puffer zwischen Weiterreise nach Townsville geplant.
Genug Zeit also, um nach Buchung übers Wifi bei einer - noch rot-gelben -Fastfood-Kette das Hostel zu checken, in dem Tobi und Jenni, Daniel, Johannes, Torsten und ich zum Jahreswechsel -natürlich in Shirt, Short und FlipFlops - 10 Stunden vor den meisten anderen 2013 begrüßen dürfen.
Nettes Personal, freundlich eingerichtetes Haus, Central in Sydney. Beste Voraussetzung also für die Gruppe.
Sydney bot einiges zu sehen. Das Verweilen bei einem guten Buch machten die in der Stadt angelegten Parks zu einem Vergnügen.
Schnell war also der Tag zur Weiterreise gekommen.
Townsville. Nord-Osten Australiens. Tropische Region. Rund 300 Sonnentage im Jahr. Eine Stadt zum Studieren.
Backpacker? Selten. Ein Abenteuer.
Tobi wartet am Flughafen. Meine Füße beschleunigen automatisch. Die letzten Meter renne ich nur noch. Ab in Tobis Arme. Starke Oberarme :) Daran hat sich selbst in Oz nichts geändert.
Schnell ist der Rucksack geschultert und der Weg kann los gehen. Ich schwitze. 28 Grad. Sonne und blauer Himmel. Von Wolken keine Spur.
Der Bus wird genommen. Natürlich mit und auf links. Australisches Kleingeld? Eine Kunst für sich. Schnell merkt man sich: je kleiner, desto wertvoller.
Die ersten Tage werden damit verbracht die wichtigsten Dinge zu erledigen. Der Lebenslauf muss übersetzt und abgeändert und ein Bankaccount eröffnet werden. Ein Mobilfunkvertrag muss her und die erste Party muss ich natürlich auch besuchen.
Dann ist Freitag, 0:00 Uhr. Tobi kommt mit einem Muffin besetzt mit Kerzen und Bananenmilch durch die Tür. Ich puste und öffne die Karte, die liebsten Grüße - auch aus Übersee: der Eifel, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin:
ein Wochenende auf Magnetic Island.
Übernachtung, Verpflegung, Fun. Das volle Programm.
Es tut gut zu wissen, dass die Familie und Freunde bei Dir sind. Zwar nur in Gedanken, aber auch am Strand, am Meer, wo Sonne scheint.
Schnell werden Tags darauf die Taschen gepackt, Verpflegung eingetütet, den Bus zur Fähre genommen. Und dann übersetzen, kurz darauf im Paradies.
Unsere Unterkunft mitten im Busch, 4 min zu einem -von Touristen nicht besuchten - Strand.
Seltsam ist es schon. Kein Handyempfang. Kein einziger Anruf kann Freitags durchgestellt werden. Man weiß, da draußen denkt jemand an einen, dennoch würde man sich freuen, vertraute Stimmen zu hören.
Dann startet das Programm.
Wandern. Wir könn'n die Welt von oben sehn. Abendessen. Jetski. Vertreiben wir uns die Zeit im Meer. Schnorcheln. Buschfrühstück. Eine Wildtour. Da werden Krokodile gehalten, Schlangen als Halsschmuck getestet, Koalas gestreichelt.
Das Wochenende vergeht wie im Flug. Und ohne uns umzusehen sind Tobi und ich zurück.
Mitten im Alltag. Das heißt für mich: einen Job finden, ein Zimmer, das ich mieten kann und Geld verdienen.
Eine Gurke für 2,50$, ein Pfund Mehl für 3,00$ und die Flasche Wasser für 2,00$ müssen genauso finanziert werden, wie die wöchentliche Miete über 150$ für ein kleines Zimmer. Ich kann froh sein, dass ich keine Tomaten mag. Bei 10$ für das Kilo würde mein Erspartes nicht für viele Tomatensalate reichen.
In der Hand mein Resume klappere ich also eine Bar, ein Restaurant und jeden Store nach dem anderen ab. Manche brauchen niemanden, alle anderen behalten das Resume mit der Info, sie würden anrufen. Auf den Lippen dieses Lächeln, dass Dir sagt, dass sie nicht anrufen werden. Unzählige eMails verlassen ebenfalls mein Postfach. Wiederum keine Antworten.
Die Laune sinkt. Der große Traum nach Australien zu kommen und mit Kusshand einen Job zu finden , zerplatzt mit einem lauten Knall.
Im Zeitalter von digitaler Kommunikation, in der ein Kompliment, eine Verabredung, der Geburtstagsgruß, eine Zu- oder Absage ja sogar Sex nur ein Mausklick entfernt ist, frage ich mich, ob Verbindlichkeit, klare Ansagen oder ehrliche Antworten Werte sind, die mit einer schnellen Mbit Rate downgraden?
Und dann vibriert das Smartphone. Eine Nachricht und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
In der Mentalität des Australiers liegen genaue Terminabsprachen nicht, also soll ich im Laufe des nächsten Nachmittages mit meinem Resume vorbei kommen.
Ein Laden, der Sportutensilien verkauft. Ich fühle mich also auf sicherem Gebiet. Schließlich habe ich das alles von der Pike auf gelernt. Dennoch schlägt mein Herz bis zum Hals.
Ty, der Storemanger, - mitte 30, sportlich elegant - bittet mich in sein Büro. Nach einem zehnminütigem Gespräch, in dem wir über meine Kenntnisse, meine Erfahrungen und Pläne reden, habe ich den Job. Unterschreibe den Vertrag, erhalte 80 Seiten Handout zum durchlesen und soll nächste Woche starten. 17,92$ die Stunde. Ein fairer Lohn.
Und dann steigt die Laune wieder. Ein Job, in dem ich gut sein werde. Direkt vor der Haustüre. 15 Minuten Fußweg.
Doch wie so oft im Leben, kann die Laune auch schnell wieder sinken. Das tut sie, wenn man die Info bekommt, dass der Vermieter möchte, dass man bis Ende der Woche als Gast aus der Wohnung seines Freundes verschwindet.
Natürlich auch diese Ansage: über SMS.
Mit Deadlines umzugehen, war noch nie schwer für mich. Anders ist die Nervosität jedoch, wenn man am Ende der Deadline ohne Dach über dem Kopf da stehen würde. Also wieder eine Aufgabe, die es am anderen Ende der Welt zu bewältigen gibt.
Auf dem Weg bis und am anderen Ende der Welt kommt es von mal zu mal vor, dass einem Steine in den Weg gelegt werden und stets sind da Menschen vor Ort, die einem helfen, Freunde in Übersee, die an einen Denken und wenn gar nichts mehr geht wissen wir doch, dass schwule Beziehungen die Welt regieren könnten.
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