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Eintrag 8: Ich will doch nur spielen


Allein auf Reisen sein muss nicht immer angenehm sein.
Kostenfrei um die Welt fliegen muss nicht immer angenehm sein. 
Vor allen Dingen dann nicht, wenn man nach einem entspannten Wochenende in Chicago mit Theaterbesuch, tollem Dinner und Museumsbesuchen frühmorgens um 4:30 Uhr aufsteht, sich auf den Weg zum Flughafen macht und die ersten beiden Flieger, die man nehmen möchte, ausgebucht sind. 
Also ist das Gepäck schon auf Reisen Richtung Westen, während man selbst noch am Flughafen sitzt.
Nachdem man dann die Hilfe der netten Mitarbeiter der United Airlines in Anspruch genommen hat sitzt man irgendwann in einen Fieger nach sonstwo. 
Sonstwo ist wirklich sonstwo. Denn von Bazeman hatte ich zuvor noch nie gehört...

Nach 20 schlaflosen Stunden dann: Maui.
Das Gepäck ist natürlich schon Stunden vorher am Flughafen der Hawaiianischen Insel angekommen. Auch dort sind die UA Mitarbeiter freundlich und suchen einem das Gepäckstück raus, rufen für einen das Hostel an und  empfehlen dann noch einen Taxistand.

Und dann sind da gleich diese Art von Menschen, die einem mit nur zwei Fragen und einem Satz das Hochgefühl , endlich einmal auf einer Insel Hawaiis zu sein, schlagartig versauen können. Denn nach meiner Bitte zur Taxifahrerin, mich zum Hostel zum bringen erhalte ich nur "Banana Bungalow, wirklch? Wieso nicht das Rainbow Hostel? Das ist veil besser und zugleich noch günstiger." und ein verdutzdes Gesicht.

Die Buchung ist gemacht. Die erste Nacht von der Kreditkarte bereits abgebucht. Umbuchen, canceln oder neubuchen kommt also gar nicht in Frage.
20,70$ später steige ich dann auch schon aus und begebe mich in Richtung Rezeption. Natürlich führt dieser Weg vorbei an einer Menschentraube. Gut 30 Leute quatschen, grillen, spielen Poker. Hier philosophiert jemand mit einem anderen über den Sinn von Insektenschutz. Dort lackiert ein Mädel einem Surfer den rechten großen Zeh rosa, in einer anderen Ecke wiederum wird belgisches Bier verkostet. Und alle haben sie eins gemeinsam: sie sind eine Gruppe. Kennen sich, wenn auch nur oberflächlich und verbringen den Abend gemeinsam. 
Und da ich, der Neue, der das Zimmer Nummer 8, am Ende des Ganges, bekommt.

Nach einer Dusche ist das Gefühl des Jetlags nicht gebannt. Mein Körper hängt irgendwo in mittlerer Zeitzone dabei zeigt die Uhr erst 9:20 pm. Und da das Gefühl: Draußen geht die Lutzi und ich hänge hier im Zimmer. Einfach raus gehen, die Leute ansprechen und mitreden. Ja, das war noch nie meine Stärke. Stattdessen greife ich zum iPhone und sende Jenni eine Nachricht. Sie ist die Person, die mir in diesem Moment die Absolution geben kann, einfach ins Bett zu gehen und zu schlafen. Und genau, das tut sie auch. "Der erste Abend, Jetlag. Es ist okay, wenn Du jetzt erstmal schläfst."

Und dann geht die Tür auf. Einer meiner Zimmergeossen kommt zur Tür rein und begrüßt mich mit einem "Hey". Schon am Dialekt höre ich, er ist Deutscher. Und ja, Benni ist sogar aus Bayern und selbst auf einer Weltreise. Das Gespräch läuft und ohne es wirklich zu realisieren ziehe ich schon die Zimmertüre hinter mir zu, folge Benni raus zur Gruppe und bin aufeinmal mitten drin. Unzählige deutschsprechende Leute, ebenso höre ich französische und englische Wörter sowieso.
Nach einem kurzen Stelldichein verlässt mich dann aber doch die Kraft und ich verlasse die Runde um endlich zu schlafen. Morgen ist ja auch noch ein Tag...

5:00 am. Hellwach. Der Tag nach dem kurzen Stelldichein. Das Hostel bietet täglich kostenfreie Touren zu den schönsten Plätzen Mauis an. Ich hab es natürlich nur auf die Warteliste geschafft. Platz 3. Zu später Check In. Die Ausfallrate soll hoch sein, also heißt es: Duschen, Frühstücken und warten. Hoffen, dass einer ein bis vier Bier zu viel hatte und 8:30 am für einen Tagesausflug zu früh findet.
Mehr und mehr Leute sammeln sich vor den beiden Vans. Es wird aufgesessen. Der erste der Warteliste schafft es, genauso wie der Zeite. Dann knallen die Türen. VOLL. Für mich ist also kein Platz mehr. Stimmengewirr und dann wird mir ein Platz in einem Cabrio angeboten. Einer der Gäste mietete sein eigenes Auto und fährt den Vans wohl nach. Gerade als ich einsteigen will kommt ein Mädel um die Ecke und sagt, dass ihr der Platz schon angeboten wurde. Also steige ich wieder aus und stehe dann mit Sack und Pack mitten auf der Straße. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: ich will doch nur spielen. Dazu gehören.
Und dann bietet mir jemand doch noch einen Platz an. Ein winziger Toyota Mietwagen und ich soll nach hinten in die Mitte. Vorne sitzen dann Jasper und Klye, aus Texas, ich zwischen Alex und Pierre aus Kanada. Es geht los. Wir folgen dem Van.  
    
Die Jungs sind Super. 
Eine Dose Bier nach der anderen wird getrunken. Natürlich bieten auch sie mir Bier an. Natürlich lehne ich dankend ab. Ein Joint nach dem anderen wird geraucht. Natürlich bieten auch sie mir ein paar Züge an. Natürlich lehne ich dankend ab. 
Nachdem wir die Gruppe einmal verloren haben, dann die Verfolgung wieder aufgenommen haben, kommen wir an unserem ersten Stop an. 

Einer Lagune. Felsen, Hölen und Wasser.  
Viele springen von den Felsen ins Wasser und sind gleich darauf verschwunden. In einer Höhle. Ich überlege noch. Wäge das Pro und Contra ab. Jemand sagt: "Nun sind sie weg." 
Für mich der Startschuss um über meinen Schatten zu springen. Ich ziehe mich aus, werfe meine Sneaks in die Ecke und hechte ins Wasser. Ich tauche ein ins kalte Nass, mache ein paar Züge und folge dann den Stimmen in die Höhle. Finsternis. Nichts ist zu sehen. Nur einige Stimmen. Unser Tourguide leuchtet kurz mit der Taschenlampe auf, sagt uns, wir sollen ihm folgen. Bis zu einem Felsvorsprung. Ein kleines Loch, durch das gerade so ein normalgewachsener Mann durchpasst,  erscheint im Taschenlampenlicht. Einer nach dem anderen soll hindurch rutschen. In die nächste Höhle. Wenn ich bis hierhin gekommen bin, dann wird das nicht das Ende sein. Also rutsche ich. In die nächste Höhle. Ebenfalls Dunkelheit. Stimmen, Felsen und Körper sind die einzigen Dinge, die ich ausmachen kann. Dann wieder das Taschenlampenlicht, dass uns zeigt, dass es sich bei dieser Höhle scheinabr um eine Sackgassse handelt. Unser Tourguide erklärt uns, dass kurzes Tauchen von Nöten ist, um in die dritte und damit letzte Höhle zu kommen. Ein tiefer Luftzug, kurzes Ausatmen, zwei Züge unter Wasser und die letzte Höhle ist erreicht. Tatsächlich eine Höhle mit Licht am Ende des Tunnels. Nur ist dieses Licht am Ende des Tunnels einige Meter über uns. Als letzte Hürde muss ich also die Felsenwand hochklettern. "Langsam und nicht nach unten sehen." ist der einzige Tipp, den unser Guide uns gibt. Das letzte Mal heißt es also Mut zusammen nehmen und los. Wenig später kraxle ich aus einem Erdloch heraus. 
Und damit hätte ich es geschafft. Vielleicht ein winziger Schritt für die Menschheit, aber ein bedeutsamer und Riesen großer Schritt für mich.

Danach ist Zeit zum Entspannen am Strand angesetzt. Unter den Leuten, die den Höhlentrip getan haben, gibt es kein anderes Thema. Unter denen, die es nicht getan haben, ebenfalls nicht. 
Ein Stop zum Lunch, ein Stop beim besten Bananenbrotstand Mauis und ein Stop an einer Bucht später, an der die Jungs und ich die Gruppe dann frühzeitig verlassen, sind wir dann im Nationalpark angekommen.
Der schönste Wasserfall Hawaiis erwartet uns. Noch mehr Bier und noch mehr  Joints sind von den Jungs genossen worden. Meinen Namen vergessen die Jungs regelmäßig. Einem abenteuerlichen 30 minütigen Spaziergang über Stock und Stein, Bäche und durch Bambuswälder später eröffnet sich uns der Blick auf einen riesigen Wasserfall. Unbeschreibliche Bilder. 
Zum Abschluss der Tour laufen wir noch  Klippen an, von denen man ins Wasser springen kann und genießen dann noch ein gemeinsames Picknick.
Auf dem Heimweg ist es dann natürlich schon Tradition, dass man sich verfährt, was der guten Laune aber keinen Abbruch tut.

Vielleicht wird es immer und überall auf der Welt  so sein, dass mein Name vergessen wird. Der langweilige Deutsche, der kein Bier trinkt, nichts raucht und nicht der ganz Coole ist. 
Aber es ist doch so, wenn man am Ende des Tages nach einem Ausflug die besten Bilder auf seiner Kamera hat, nette Leute für die nächsten Tage gefunden hat und seinen Geist selbst besiegt hat, dann ist es vollkommen okay ein kleiner Langweiler zu sein, der nur spielen und dazugehören möchte.

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