Direkt zum Hauptbereich

Eintrag 3: Hörspiel

Eine Taste im Dunkeln. Ein bekanntes Rauschen. Pfeifen. Eine vertraute Melodie. "Tarzan ist der Kopf des Ganzen, Karl lässt schnell die Fakten tanzen, Klößchen ist ein guter Typ, Gaby hat den Tarzan liiiiiieeeb." 


Als hätte sich seit der Kindheit nichts geändert. Das Jugendbett. Die Umgebung. Die gleichen Hörspiel-Geschichten. Doch da an den Schrank gelehnt steht der Rucksack. Ein voller Rucksack mit allerlei Kram.  Der Kram, der in den nächsten Monaten auf Schritt und Tritt mit dabei sein wird.


"Mittags kletterte das Thermometer auf 32°C ..." Die Geschichte im Hintergrund, die erst in der Millionenstadt beginnt und dann in Österreich in einem brennenden Finale endet, läuft auswendig mitgesprochen im Unterbewusstsein mit.
Dennoch kreisen die Gedanken um ganz andere Dinge.


Wieso eine Reise ans andere Ende der Welt geplant? Warum nicht doch besser ein paar Socken mehr als weniger mit nehmen? Den Plan wirklich durchziehen?
Wochenlang lief es auf den Tag des Abfluges hinaus, der nun in wenigen Stunden bevor steht. 
Der Rucksack ist gepackt, das Handgepäck gebeutelt, liebe Menschen unter Tränen verabschiedet.


Diese Gedanken finden also keinen Platz mehr in einem Kinderzimmer, in dem ein voller Rucksack an den Schrank gelehnt steht.
Trotz der tollen Wohnung mit tollen Mitbewohnern, die ich verlassen muss, trotz der lieben Freunde, die ich verabschieden musste, trotz des tollen Mannes, den ich noch kennen lernen durfte, werde ich durchatmen, meinen Rucksack aufschnallen und losziehen.


Wieder eine Melodie, wieder ein Rauschen. Ein Knacken. Die Geschichte meiner vier Freunde endet für den Abend. Und meine Geschichte wird weiter geschrieben.


Und eine ganz andere Geschichte ist es, wer oder was auf jemanden wartet, wenn man irgendwann zurück am Flughafen landet. 

Kommentare

  1. Spatzi,...jedenfalls warte ich morgen am Flugahfen in San Francisco!!! ...und ich kann es schon gar nicht mehr abwarten!!

    GUTEN FLUG!!...und am Gate bloß nicht nach hinten gucken!!

    *hugs + kisses*

    Jenni

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eintrag 31: Die Hörspiele des Lebens

„Auf ner schönen grünen Wiese liegt ein großer grauer Berg streckt die Beine in den Himmel neben ihm da steht ein Zwerg! Nein der Zwerg das ist ja –“ Ich zucke am ganzen Körper und schrecke hoch; sitze ein paar Sekunden später kerzengerade im Bett. Vorhin hatte ich mir doch erst eine Folge Benjamin Blümchen ausgesucht, sie auf den Lautsprecher im Schlafzimmer gestellt und das iPhone im Nachtmodus zum Laden auf meinen Nachtschrank gelegt. Und jetzt kreisen in meinem Kopf Gedanken, was noch alles so ansteht. Doppeljob-Wochen heißen noch einmal weniger Schlaf. Bis spät abends noch einmal die Nachrichtenlage und das Geschehen im Netz checken, schlafen und dann morgens früh raus und dann ab in den Sender. Eine gute, tagesaktuelle und informative Sendung machen, die nächste vorbereiten und dann ab ins Homeoffice und die Rolle des Journalisten gegen die des Managers für Kommunikation & Marketing tauschen. Nach Feierabend dann wieder das Netz durchforsten, vielleicht noch etwas für die ans...

Eintrag 26: Sieben ist eine magische Zahl

21, 22, 23. Ich zähle laut sieben Sekunden ab. Ich spüre Mikes Arme fest um meinen Oberkörper. Wir stehen am Neumarkt bei den Fahrradständern und drücken uns. Erst gestern morgen erzählte er mir, dass er gelernt hätte, dass eine Umarmung mindestens sieben Sekunden lang sein müsse, damit die Produktion des Hormons Oxytocin angeregt würde. Nicht nur das emotionale Wohlbefinden wird nach dieser Zeit besser, nein sogar das physische wird positiv beeinflusst, der Körper heilt schneller, das Immunsystem wird gestärkt, die Herzfunktion verbessert. Dafür sorgen die ganzen chemischen Abläufe im Körper. Ich erinnere mich noch so genau daran. Dennoch kommt es mir vor, als läge die ganze Situation nun schon Jahre zurück. Jetzt, wo ich offiziell vom Gesundheitsamt der Stadt Köln unter Absonderung stehe und bereits sieben Tage das Haus nicht mehr verlassen habe. Als Rückkehrer aus dem vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuften Tirol und nach einem Test auf das Corona-Virus, wurde ich be...

Eintrag 28: Ich muss nix – außer sterben!

„Ich muss heute Abend doch schwarz tragen!“ Ich stehe in meinem Kinderzimmer. Trage selbst nur eine blaue Short, weiße Socken und ein bordeauxrotes Tanktop und schaue in die glasigen Augen meiner Mutter. Sie steht vor dem offenen, großen Holzschrank, der vor mehr als 20 Jahren im Möbelgeschäft im Nachbarort gekauft wurde, top modern war und nun jedes zweite Schlafzimmer in der Eifel schmückt. Ihre Haut ist aschfahl. Ihr Gesicht eingefallen. Die Schultern hängen schlaff herunter. Die Stimme brüchig. Bis zur Totenwache sind es noch zehn Stunden. Vor vier Tagen kam ich vom Wochenend-Workout heim, hatte meine Sporttasche in die Ecke geworfen und wollte mir gerade einen Eiweiß-Shake mixen, als meine Schwägerin anrief. Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Am anderen Ende der Leitung war Tabea. Aufgelöst. Fast panisch. Nicht komplett zu verstehen. Ich hatte die Situation innerhalb von Millisekunden registriert und noch im Gespräch Ausweis, Handyladekabel, Mund-Nasen-Bedeckung und ...