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Eintrag 16: Die Ex Akten

Ich sitze zwischen 24 Geschenktüten. In 6 Wochen ist Weihnachten. Für den Mann, den ich liebe, habe ich in mühseliger Kleinarbeit Tütchen mit Haribo Fröschen gefüllt, Gebäck abgepackt und einen mit tollen Geschenken vollgepackten Adventskalender gebastelt.
Dann kommt der Anruf, nachdem für mich nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.
Der erste Mann, den ich liebte, der mir eine Stütze in vielerlei Hinsicht war, mit dem ich meinen ersten,  kitschigen Pärchenurlaub hatte, ja der sogar meine +1 auf dem 50. Geburtstag meiner Chefin war, serviert mich nach sechs Monaten via Telefon - ich in Mitten von 24 mal großen mal kleinen Weihnachtsgeschenktüten sitzend - ab.

Ich war gerade 20 und die kalte Novembernacht, in der ich mir, zwischen 24 Geschenktüten, die Seele aus dem Leib weinte und mein Herz von dem Mann, den ich so sehr liebte, gebrochen wurde, liegt nun einige Jahre zurück.

Beim Gedankennachhängen komme ich also nicht umhin mich zu fragen: kann man wirklich vergeben, wenn man nicht vergessen kann?

Einfacher geht das ganze mit Alkohol im Blut. Nur knapp ein halbes Jahr, nachdem ich am Telefon abserviert wurde, lässt mich ein Rausch, hervorgerufen von einer Menge Schmerzmitteln und Alkohol, auf der Fahrt vom Bootshaus in die Eifel, wie automatisch die Handynummer meines Exfreundes wählen. Es ist mitten in der Nacht, ich angetrunken und meine Finger tippen auswendig seine Nummer auf meinem iPhone. In weiser Voraussicht hatte ich sie gelöscht. Leider nur aus dem Adressbuch und nicht aus meinem Gedächtnis. 
Das Resultat aus einem einstündigen Telefonat, dass meine beste Freundin Micha vom Fahrersitz verwundert und vorwurfsvoll verfolgte, zeigte sich nach einigen Wochen. Wir trafen uns wieder, hatten uns ein bisschen was zu erzählen und ich dürfte Erfahren, was es mit dem Mythos "Sex mit dem Ex" so auf sich hat.
Es folgten also Wochen des Wiedersehens und des gemeinsamen Zeitvertreibens. Nichts hätte uns wieder zusammen bringen können. Darum ging es uns auch nicht. Es war die Zeit, die wir genossen. Zwei Menschen, die sich kennen, die sich mögen. Gut miteinander auskommen. Guten Sex haben. 

Natürlich läuft es nicht immer so. 
Da gibt es auch Exfreunde, die man nur einmal im Jahr für ein zweieinhalbminütiges Telefonat zum Geburtstag in der Schweiz anruft, jene, denen man abends auf der Straße wie zufällig in die Arme läuft, um dann feststellen zu müssen, dass sich seit der Trennung vor Jahren rein gar nichts geändert hat, andere haben damit zu kämpfen, dass der Exfreund nicht nur kurz nach der Trennung eine neue Freundin hatte, nein, auch noch damit, dass sich die beiden verlobt haben und schnellstmöglich in den Hafen der Ehe einlaufen wollen. Natürlich nicht, ohne den ständigen Kontakt zur Exbeziehung aufrecht erhalten zu wollen. Wieder andere versuchen verzweifelt, die Exbeziehung als Freund zu behalten. Emotionale Einschläge, Kompromisse und Ärger in Kauf genommen, halten sie Kontakt und wissen doch, dass es eigentlich Zeit für eine Pause zum anderen wäre.

Also was ist das beste Rezept für den Umgang mit den Exen? Wie klappt es am besten? Was ist zu tun?  Was besser zu lassen? Was ist erlaubt und was geht mal so gar nicht?
Ich für mich habe entschieden, dass es wohl die Zeit und der nötige Abstand ist, die Beziehungen zu Exbeziehungen ermöglichen oder eben nicht.
Und ein Grundrezept für den Umgang gibt es nicht.

Jetzt sitze ich nach Jahren mit Mo auf einer Baustelle. Vom Regen überrascht haben wir uns unter einen Verschlag gerettet und uns in einen Haufen voller Glaswolle fallen lassen. Um uns tobt der Regen und Wind, wir hängen entspannt, trocken und warm wie auf einer Couch und quatschen, lachen. Reden über Vergangenes und Aktuelles. Über Zukünftiges und Geplantes. 
Ich stelle fest, dass es ein tolles Gefühl ist, einen Menschen, den man mal von Herzen geliebt hat, nicht verloren zu haben und ihn nun einen Freund nennen darf.

Vielleicht ist das Vergessen schwer, aber die Zeit vergeht und der nötige Abstand kommt, sodass man irgendwann weiß, wie man den Ex Akten umzugehen hat.

Denn am Ende ist es doch so: Die Ex Akten kann man abheften, verstauen und auch mal vergessen, aber das Schöne ist zu wissen, dass man sie auch jederzeit wieder abändern und ergänzen kann.

Kommentare

  1. Hallo Andreas

    Muss dir recht eben , es gibt kein Rezept für die Ex akte aber gut zu lesen das du deins gefunden hast .

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